Bremerhaven kämpft um Offshore-Zukunft

Bremerhaven ist Standort der ersten Stunde, wenn es um Offshore-Windenergie in Deutschland geht. Welche Rolle die Stadt an der Wesermündung künftig für die Branche spielen wird, ist jedoch ungewiss: Zuletzt lief es bei Weitem nicht mehr so rund wie in den Anfangsjahren.

Container Terminal Bremerhaven mit Errichterschiff

Container Terminal Bremerhaven mit Errichterschiff

Als sich 2003 der Turbinenbauer Multibrid (später Areva, jetzt Adwen) in Bremerhaven ansiedelte und Ende 2006 auch sein Mitbewerber Repower (jetzt Senvion) verkündete, in direkter Nachbarschaft seine Zelte aufschlagen zu wollen, klopften sich Lokal- und Landespolitiker sowie Wirtschaftsförderer gegenseitig auf die Schultern. Die frühe Entscheidung, den Standort als Kompetenzzentrum für Windenergie entwickeln zu wollen und dafür auch die heute bundesweit agierende Windenergie-Agentur WAB zu gründen, hatte sich bezahlt gemacht. Neben verschiedenen Dienstleistern aus der Branche kam mit Weserwind zudem ein Hersteller von Fundamenten nach Bremerhaven. Hafenanlagen wurden schwerlastfähig gemacht und konnten fortan die großen Errichterschiffe abfertigen, Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik festigten den Ruf der Stadt als Offshore-Hochburg. Das Land Bremen begann mit den Planungen für ein modernes Offshore-Terminal (OTB), das ursprünglich 2014 fertig sein und weitere Unternehmen anziehen sollte. In den Hochzeiten zwischen 2010 und 2013 waren in Bremerhaven knapp 4.000 Menschen im Bereich Offshore-Windenergie beschäftigt.
Heute bietet sich ein anderes Bild, von der Euphorie der Anfangszeit ist nicht mehr viel zu spüren. Nach Angaben des Bremer Wirtschafts- und Häfenressorts ist die Zahl der Arbeitsplätze in der Offshore-Industrie auf aktuell rund 1.500 gesunken, und weitere Entlassungen stehen unmittelbar bevor. Weserwind musste schon Anfang 2015 Insolvenz anmelden, weil sich die massiven Tripod-Fundamente des Herstellers gegen die schlankeren Monopiles und Jackets der Mitbewerber auf dem Markt nicht durchgesetzt haben. Aktuell ist ungewiss, wie es mit dem Turbinenproduzenten Adwen weitergeht, der erst vor wenigen Monaten die Installation eines Acht-Megawatt-Prototypen in Bremerhaven abgeschlossen hat. Mit einem Rotordurchmesser von 180 m gilt die Anlage als derzeit größtes Windrad der Welt: Ob sie am jetzigen Produktionsstandort auch in Serie geht, ist allerdings mehr als fraglich. Der französische Atomkonzern Areva hatte sich vorigen Herbst von seinen Anteilen am Unternehmen getrennt und sie dem bisherigen Joint-Venture-Partner Gamesa übertragen – der wiederum im April dieses Jahres mit der Windsparte von Siemens zusammengegangen ist. Und Siemens hat bekanntlich nicht weit entfernt in Cuxhaven gerade ein eigenes Werk gebaut. Fest steht, dass die Produktion bei Adwen vor Kurzem ausgelaufen ist, weil nach Abschluss der Turbinenfertigung für den Ostsee-Windpark „Wikinger“ keine Folgeaufträge in der Pipeline waren.
Und auch beim benachbarten Hersteller Senvion beziehungsweise seinem unter dem Namen Powerblades firmierenden Rotorblattwerk stehen zahlreiche Arbeitsplätze vor dem Aus. Im März hatte das Unternehmen mitgeteilt, seine Gondelwerke in Husum und Brandenburg sowie das Rotorblattwerk in Bremerhaven schließen und so insgesamt 730 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Ein Alternativkonzept, dass die Betriebsräte daraufhin erarbeiteten, um möglichst viele Jobs zu erhalten, lehnte die Geschäftsführung Mitte Juli ab. Einen weiteren Rückschlag hat unterdessen der OTB erlitten: Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen hat kürzlich den voriges Jahr verhängten Baustopp bestätigt, wodurch nun auch der zwischenzeitlich angepasste Zeitplan zur Inbetriebnahme des neuen Offshore-Hafen im Jahr 2019 nicht mehr einzuhalten ist.

Ein ausführlicher Bercht über den Offshore-Standort Bremerhaven ist in der August-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 74 und 75 zu lesen.

Offshore-Branche bejubelt das Auktionsergebnis

Nach einem zwischenzeitlichen Stimmungstief zeigt sich die hiesige Offshore-Windbranche aktuell nahezu euphorisch. Dass der Bau von Meereswindparks künftig ohne Förderung möglich sein soll, sorgt für Feierlaune.

WAB-Geschäftsführer Andreas Wellbrock

WAB-Geschäftsführer Andreas Wellbrock

Wenn sich selbst die Verlierer über das Ergebnis freuen, muss schon etwas Bemerkenswertes vorgefallen sein. So geschehen jüngst bei der ersten deutschen Auktion zur Vergütung von Offshore-Windenergie: Am Gründonnerstag hatte die Bundesnetzagentur bekanntgegeben, dass bei der Premierenausschreibung gleich drei Gebote von 0,00 ct/kWh einen Zuschlag erhalten haben. Doch wer nun erwartet hätte, dass die Unterlegenen angesichts derartiger Kampfpreise ihren Unmut über das neue Auktionssystem zum Ausdruck bringen, sah sich getäuscht. Die Branche ist sich offensichtlich in weiten Teilen darin einig, dass diese „Nullrunde“ ein Signal ist, das Hoffnung für die Zukunft macht. Das seien großartige Nachrichten, sagte Felix Würtenberger, Leiter des Bereichs Offshore-Entwicklung Niederlande und Deutschland bei Vattenfall, kürzlich bei der 13. „Windforce“-Konferenz in Bremerhaven. Für sein Unternehmen sei das Ergebnis zwar enttäuschend, weil man keinen Zuschlag erhalten habe: „Trotzdem halten wir Auktionen für einen großen Fortschritt, weil sie ein guter Weg sind, die Kosten zu senken. Und Kostenreduktion ist das Überlebensticket für die Branche.“
Beim jährlichen Branchentreffen „Windforce“ war die erste Ausschreibungsrunde unangefochten das Thema Nummer eins. Dass gleich drei Projekte ganz ohne Bezuschussung auskommen, sei ein wahrer Paukenschlag, betonte Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der veranstaltenden Windenergie-Agentur WAB. Die langfristig erwarteten Kostensenkungspotenziale würden damit viel schneller umgesetzt als von Experten erwartet: „Jetzt ist es an der Politik, die Offshore-Windenergie nicht weiter als Kostentreiber der Energiewende zu brandmarken, sondern diese Chance zu nutzen, um die Ausbauziele der erneuerbaren Energien mit den Klimazielen zu synchronisieren – das heißt den Deckel deutlich anzuheben.“ Die Diskussion um die Öffnung des „Deckels“, also die Erhöhung des Ausbauziels von derzeit 15.000 Megawatt bis 2030, hatte unmittelbar nach Bekanntgabe des Auktionsergebnisses begonnen und war in Teilen der Politik durchaus positiv aufgenommen worden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal dämpfte nun allerdings diesbezügliche Hoffnungen der Branche. „Wir haben das im Moment nicht auf der Agenda“, sagte er. Energie-Staatssekretär Rainer Baake aus dem Bundeswirtschaftsministerium machte deutlich, dass der Netzausbau an Land nicht so schnell vorangehe wie geplant: Letztlich sei hierin die entscheidende Restriktion für einen beschleunigten Offshore-Ausbau zu sehen, nicht in der Politik.

Ein ausführlicher Bericht über die „Windforce“ und die aktuelle Stimmung in der Offshore-Branche ist in der Juni-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) zu lesen.

BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz: „Wir werden uns neu strukturieren“

Beim Ausbau der Offshore-Windenergie kommt dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) künftig eine noch zentralere Rolle zu als bisher schon. Das seit Anfang des Jahres geltende Windenergie-auf-See-Gesetz sieht vor, dass die Fördersätze für auf See erzeugten Strom jetzt auch in Deutschland in einem wettbewerblichen Ausschreibungsverfahren am Markt ermittelt werden. Das BSH soll für die Auktionen nach 2020 einen Flächenentwicklungsplan erstellen und geeignete Flächen voruntersuchen, auf die die  Ausschreibungsteilnehmer dann bieten.

Monika Breuch-Moritz
Foto: BSH

Um diese zusätzlich zu den Genehmigungsverfahren anfallenden neuen Aufgaben bewältigen zu können, wird die Behörde in den kommenden anderthalb Jahre 35 neue Mitarbeiter einstellen. Insgesamt beschäftigt sie derzeit rund 850 Mitarbeiter – darunter etwa 45, die sich mit Offshore-Windenergie befassen. „Wir werden uns neu strukturieren“, kündigt BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz nun an. „Durch den Umfang der neuen Aufgaben ist es jetzt an der Zeit, eine eigene Abteilung zu gründen.“ Angesichts der anstehenden Veränderungen nehme sie die Stimmung innerhalb der Behörde als positiv wahr: „Wir haben schon so viel Energie in die Offshore-Windenergie gesteckt, und das gibt noch einmal neuen Schwung.“ Das BSH werde die neue Abteilung so integrieren und aufbauen, dass andere Bereiche möglichst wenig gestört werden. Kritische Worte findet die Behördenchefin dafür, dass sich die Offshore-Windbranche erneut mit veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen muss. „Ein Systemwechsel bedeutet für die Wirtschaft immer den Verlust von Planungssicherheit, und das ist generell ein Problem. Deshalb wünscht man sich, dass ein Gesetz mal etwas länger hält, sonst kann die Wirtschaft nicht damit arbeiten.“

Ein ausführliches Interview mit BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz ist in der Mai-Ausgabe der „Hansa“ (International Marititime Journal) auf den Seiten 90 und 91 zu lesen.

Drei, zwei, eins – meins?

Wer mit der geringsten Einspeisevergütung auskommt, erhält den Zuschlag: Das gilt jetzt auch beim Bau von Offshore-Windparks. In Kürze wird die Branche erfahren, welche Bieter bei der ersten Auktionsrunde den Zuschlag bekommen – und zu welchem Preis.

Quelle: Stiftung Offshore-Windenergie

Quelle: Stiftung Offshore-Windenergie

Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) in Kraft, das die weitere Entwicklung und Förderung der Offshore-Windenergie in Deutschland regelt und laut dem die Höhe der Vergütung künftig über Auktionen bestimmt wird. Vier Wochen später gab die Bundesnetzagentur die Bedingungen für die erste Ausschreibungsrunde bekannt: Teilnehmen können ausschließlich die Entwickler so genannter „bestehender Projekte“ – das sind solche Offshore-Windparks, die vor dem 1. August 2016 entweder schon über eine Genehmigung verfügten oder bereits erörtert wurden und die im Küstenmeer oder in den vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) definierten Clustern der Zonen 1 und 2 liegen. Als Frist für die Abgabe der Gebote wurde der 3. April festgesetzt, als Höchstwert für die Vergütung zwölf Cent pro Kilowattstunde (kWh).
Die Bundesregierung erwartet von der Umstellung auf das Ausschreibungssystem eine weitere Kostensenkung der Offshore-Windenergie, und allem Anschein nach liegt sie damit richtig. Nach dem bis Ende 2016 gültigen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2014 wird Strom aus Offshore-Windparks, die bis Ende 2020 den Betrieb aufnehmen, je nach gewähltem Modell mit bis zu 15,4 ct/kWh für zwölf Jahre oder bis zu 19,4 ct/kWh für acht Jahre vergütet. Bei Auktionen in den Niederlanden und in Dänemark haben die Energiekonzerne Dong Energy und Vattenfall zuletzt für Gebote von 7,27 ct/kWh beziehungsweise 4,99 ct/kWh Zuschläge erhalten. Zwar sind die Bedingungen nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar, weil die Meereswindparks hier zumeist weiter entfernt von der Küste entstehen und die Betreiber zusätzlich zu den Windkraftanlagen auch die parkinterne Umspannplattform finanzieren müssen. Dem Vernehmen nach rechnet die Branche aber auch hier mit Geboten im einstelligen Cent-Bereich. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir am Ende bei sechs bis acht Cent pro Kilowattstunde landen“, meint Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB.
Doch die Kalkulation ist mit Risiken verbunden, denn die ersten beiden Ausschreibungen (eine weitere folgt zum 1. April 2018) beziehen sich aufgrund des langen Planungsvorlaufs auf Offshore-Windparks, die zwischen 2021 und 2025 den Betrieb aufnehmen werden. „Letztlich ist das eine Wette auf die Zukunft, denn die Bieter müssen jetzt schon abschätzen, zu welchem Preis sie in fünf bis acht Jahren ihre Komponenten und Dienstleistungen einkaufen“, sagt Wellbrock. Das WindSeeG als Bestandteil des neuen EEG hält er daher für mittelstandsfeindlich: Die mit der Kalkulation verbundenen Risiken seien von großen Konzernen leichter zu tragen als von kleineren Unternehmen. „Die Zeit der Pioniere ist vorbei“, so der WAB-Chef. Wie der Rest der Branche kritisiert auch er nach wie vor die Kürzung der Ausbauziele auf 15.000 Megawatt (MW) bis 2030. „Um die niedrigen Preise tatsächlich auch erreichen zu können, brauchen wir Skaleneffekte und ein entsprechendes Ausbauvolumen.“ Die Offshore-Branche hoffe daher, dass es nach der Bundestagswahl noch einmal eine neue Diskussion um die Ausbauziele geben werde.
Aktuell sind in der deutschen Nord- und Ostsee Windkraftanlagen mit einer Kapazität von rund 4.000 MW bereits am Netz, einige weitere Parks werden derzeit gebaut. Der von der Bundesregierung geplante Ausbau auf 6.500 MW bis 2020 wird nach jetzigem Stand aller Voraussicht nach übertroffen: Es gibt zudem mehrere genehmigte Projekte mit alten Netzanbindungszusagen, bei denen die finale Investitionsentscheidung bereits getroffen wurde oder unmittelbar bevorsteht, sodass bis zum Auslaufen der fixen EEG-Vergütung Ende 2020 eine installierte Leistung von rund 7.700 MW erwartet wird. Für alle Meereswindparks, die ab 2021 ans Netz gehen, wird die Vergütungshöhe dann über Ausschreibungen bestimmt. Ein weiterer schon jetzt festgelegter Systemwechsel betrifft Projekte für die Zeit ab 2026: Wer dann einen Offshore-Windpark errichten möchte, bietet im sogenannten zentralen Modell auf Flächen, die das BSH bis dahin voruntersucht haben wird.

Ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema ist in der April-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 84 bis 86 zu lesen.

Bedarf an Schiffen für den Betrieb von Offshore-Windparks wächst

Je mehr Offshore-Windparks gebaut werden, umso mehr Schiffe werden für Service- und Wartungsarbeiten benötigt. Der maritimen Branche bieten sich damit neue Chancen.

Service Operation Vessel (SOV) "Windea la Cour" in Eemshaven

Service Operation Vessel (SOV) „Windea la Cour“ in Eemshaven

Insgesamt 835 Offshore-Windkraftanlagen haben laut Halbjahresstatistik der Deutschen WindGuard zum 30. Juni 2016 in der deutschen Nord- und Ostsee Strom ins Netz eingespeist. Sie alle müssen über die geplante Laufzeit von mindestens 20 Jahren instandgehalten und regelmäßig gewartet werden – ebenso wie die voraussichtlich rund 1.500 bis 2.000 weiteren Anlagen, die in den kommenden 15 Jahren hinzukommen werden, wenn die aktuellen Ausbauziele der Bundesregierung erreicht werden sollen. Der Bedarf an Schiffen für den Bereich „Operations and Maintenance“ (O&M) ist dementsprechend groß, und so rückt nach mehreren Jahren, in denen der Bau von Offshore-Windparks im Fokus stand, nun die Betriebsphase mehr und mehr in den Fokus auch der maritimen Branche. „Wir stellen fest, dass sich die Anfragen für Schiffe, die für Service- und Wartungsarbeiten gebraucht werden, zuletzt deutlich gehäuft haben“, sagt Philippe Schönefeld von den auf Offshore-Brokerage spezialisierten Global Renewables Shipbrokers (GRS). Mittlerweile vermitteln er und sein Team für die Betriebsphase genauso häufig Schiffe wie für die Installationsphase: Für die Zukunft erwartet der Fachmann, dass sich das Verhältnis auf dem europäischen Markt auf etwa 70:30 zugunsten von O&M-Anfragen verschieben wird. „Während bei den deutschen Schiffbauern derzeit keine Bewegung im Geschäftsfeld Offshore-Wind festzustellen ist, sieht Schönefeld für die hiesigen Reeder durchaus zusätzliche Möglichkeiten im O&M-Bereich. „Grundsätzlich sind Chancen da – sofern ein Reeder spekulativ investieren oder sich einen der rar gesäten langfristigen Charterverträge sichern kann.“ Insgesamt fehle den Schiffseignern hierzulande allerdings aus seiner Sicht noch etwas die Wagnis-Bereitschaft in diesem Geschäftsfeld: „Da könnten wir noch mehr Support gebrauchen.“
Um Schiffe finanzieren zu können, bräuchten Reedereien in der Regel Partner, betont Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Vor allem die deutschen Banken seien mittlerweile aber sehr zurückhaltend bei Neugeschäften. „Langfristige Charterverträge helfen natürlich, um eine Finanzierung auf die Beine zu stellen und große Investitionen zu stemmen. Bei dem Bau von Crew Transfer Vessels und dem Aufbau von kompletten Rettungsketten sind deutsche Reedereien bereits vor einigen Jahren in Vorleistung getreten. Diese Innovationsbereitschaft zeigt heute entsprechende Erfolge.“ Insgesamt sind nach Nagels Aussage derzeit rund 20 heimische Reedereien im Bereich Offshore-Windenergie aktiv, die mit 50 Schiffen etwa 1.500 Arbeitsplätze sichern. „Die große Euphorie im Bereich Offshore-Windenergie hat sich zwar abgeschwächt, aber dennoch geht der Ausbau weiter. Wir haben in Deutschland das richtige Know-how, nicht nur um diese anspruchsvollen Schiffstypen zu bauen, sondern um sie auch wirtschaftlich und sicher zu betreiben.“

Ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema sowie ein Interview mit Ralf Sören Marquardt (Geschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik) zum Status Quo des deutschen Schiffbaus in Sachen Offshore-Windenergie  sind in der September-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 170 bis 172 zu lesen.

Offshore-Branche fordert Verbesserungen bei gesetzlichen Rahmenbedingungen

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll der Bundestag über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2016 sowie das neue Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) beschließen. Die deutsche Offshore-Windbranche hofft, dass die Parlamentarier im Vergleich zum vorliegenden Gesetzesentwurf noch Änderungen durchsetzen werden.

Andreas Wellbrock

Andreas Wellbrock

Beim jährlichen Branchentreff „Windforce“ im Juni waren das EEG 2016 und das WindSeeG die behrrschenden Themen. „Wir sind mit der Novelle des EEG nicht zufrieden“, machte Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der veranstaltenden Windenergie-Agentur WAB, bei der Konferenz in Bremen deutlich. Die Offshore-Windbranche sei mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen und befinde sich mitten in der Industrialisierung, so Wellbrock. Das Fundament für eine künftig erfolgreiche Industriepolitik seien verlässliche Rahmenbedingungen, die einen signifikanten Zubau in heimischen Gewässern ermöglichten. Nach seiner Auffassung und der eines Großteils der Branche ist das neue WindSeeG jedoch wenig geeignet, dies zu leisten. Was die WAB stattdessen für erforderlich hält, hat sie in fünf Kernpunkten auf einer überdimensionalen Postkarte notiert, die während der „Windforce“ zum Unterschreiben bereitstand und im Anschluss an Minister Gabriel überbracht werden sollte:
1.) Der jährliche Ausbaukorridor soll durchschnittlich mindestens 900 Megawatt (MW) betragen, was etwa zwei Offshore-Windparks sowie der Leistungsfähigkeit einer Konverterplattform entspricht. Nach aktuellem Gesetzesentwurf sind lediglich 730 MW pro Jahr vorgesehen.
2.) Die beiden für Offshore-Projekte von 2021 bis 2024 vorgesehenen Ausschreibungsrunden für bereits genehmigte oder in der Planung weit fortgeschrittene Windparks sollen nach jetzigem Stand schon im kommenden Jahr stattfinden. Die Branche fordert hier eine zeitliche Entzerrung und schlägt für die zweite Ausschreibung das Jahr 2019 vor, damit technologische Entwicklungen berücksichtigt und so Kostensenkungen ermöglicht werden können.
3.) Damit die Akteursvielfalt erhalten bleibt und sich auch der Mittelstand weiterhin am Wettbewerb beteiligen kann, sollen die Bieterbürgschaften auf 30 Millionen Euro pro Windpark begrenzt werden. Der Gesetzesentwurf sieht derzeit vor, dass Bieter im Übergangssystem 200 Euro pro Kilowatt (kW) installierter Leistung und für Projekte ab 2025 sogar 350 Euro pro kW an Sicherheiten zu hinterlegen haben, was bei einem 400-MW-Windpark 140 Millionen Euro wären.
4.) Nach Ansicht der Offshore-Branche sollte sich die Bundesregierung nicht schon jetzt für Projekte ab 2025 auf das so genannte zentrale Modell festlegen, laut dem die Bieter um die Errichtung eines Windparks auf einer staatlich voruntersuchten Fläche konkurrieren. Stattdessen solle man zunächst die Erfahrungen aus dem Übergangssystem abwarten, heißt es.
5.) Zu guter Letzt wird ein schnellerer Ausbau des Stromnetzes in Deutschland gefordert, was durch eine Bündelung der Kompetenzen beim Bund und eine Entmonopolisierung der Netzbetreiber zu erreichen sei.

Ein ausführlicher Bericht über das EEG 2016 und das WindSeeG ist in der Juni-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 70 und 71 zu lesen, ein Artikel über die „Windforce“-Konferenz folgt in der Juli-Ausgabe auf den Seiten 78 und 79.

Wohnen und Arbeiten im Offshore-Windpark

Es hat länger gedauert als geplant, aber jetzt ist sie fertig: die erste Wohnplattform für einen deutschen Offshore-Windpark. Anfang Juni ist das 2.500 Tonnen schwere Bauwerk in der Nordsee aufgestellt worden.

Wohnplattform "DanTysk"

Wohnplattform „DanTysk“

„Die Errichtung der Plattform im Windpark ,DanTyskʻ 70 Kilometer vor Sylt soll im Herbst 2014 erfolgen.“ So hatten es die Windpark-Bauherren Vattenfall und Stadtwerke München (SWM) im Oktober 2012 angekündigt, als sie die Auftragsvergabe für den Bau der in Deutschland bislang einmaligen Wohnplattform verkündeten. Der Auftrag ging damals an den Kieler Nobiskrug-Standort, heute German Naval Yards. Vor genau einem Jahr sollte der Stahlkoloss dann schon einmal zu seinem Einsatzort geschleppt und installiert werden, die benötigten Schiffe waren dem Vernehmen nach schon bestellt. Doch kurz vor dem anberaumten Termin wurde die Aktion wieder abgeblasen. Zu den genauen Hintergründen will sich keiner der Beteiligten äußern. „Wir sind damals zu dem Ergebnis gekommen, dass es besser ist, die Endausrüstung auf einer anderen Werft machen zu lassen“, sagt Gunnar Groebler, Chef des Geschäftsbereichs Wind bei Vattenfall, dazu lediglich. „Jetzt schauen wir nach vorne und freuen uns auf die Inbetriebnahme der Plattform, alles andere ist vorbei.“
Nutznießer dieser Entscheidung war die Emder Werft und Dock GmbH (EWD), die sich letztlich den Auftrag zur Endausrüstung sicherte. Im Oktober 2015 wurde die Plattform auf einer Transportbarge von Kiel durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Emden geschleppt, wo in rund sieben Monaten unter anderem der Innenausbau und die Elektrik fertiggestellt wurden. Insgesamt sollen dort noch einmal 250.000 Arbeitsstunden angefallen sein, ist zu hören. „Das war für uns ein spannendes, gigantisches Projekt“, berichtete EWD-Geschäftsführer Christian Eckel kurz vor dem Sail-Out Ende Mai beim Ortstermin in Emden. Für sein auf Reparaturen, Nachrüstungen und Umbauten spezialisiertes Unternehmen sei dies ein wichtiger Auftrag gewesen: „Nicht nur, weil er Arbeit geschaffen hat – sondern auch, weil wir zeigen konnten, dass wir auch Neubauten ausrüsten können“, so Eckel.
In dieser Form ist die neue Wohnplattform bislang einzigartig. Zwar gibt es vergleichbare Konzepte aus der Öl- und Gasindustrie, und in Dänemark ist in einem Offshore-Windpark eine kleinere Wohnplattform für sechs Monate im Jahr in Betrieb. Ein ganzjährig genutztes „Meereshotel“ in dieser Größenordnung hat es allerdings im Bereich der Windenergie noch nicht gegeben. In anderen Offshore-Windparks werden die für Service- und Wartungsarbeiten benötigten Techniker je nach Küstenentfernung entweder vom Festland beziehungsweise einer benachbarten Insel zur Arbeit gebracht oder aber auf einem Hotel-Schiff untergebracht. Im Fall von „DanTysk“ beträgt die Entfernung zum nächsten größeren Offshore-Hafen Esbjerg knapp 100 Kilometer: Allein die An- und Abfahrt mit dem Schiff würde da schon jeden Tag rund sieben Stunden dauern. „Sowohl ökonomisch als auch technisch und von der Arbeitssicherheit ist die Wohnplattform für uns die beste Lösung“, betont Gunnar Groebler. Etwa 100 Millionen Euro hat sie gekostet und liegt damit nach Angaben des Vattenfall-Wind-Chefs trotz der Verzögerungen nur „knapp über dem ursprünglichen Budget“.

Ein ausführlicher Bericht über die Wohnplattform ist in der Juli-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) zu lesen.

Die Aufbruchstimmung in den Häfen ist vorbei

Während sich Cuxhaven nach wie vor über die Ansiedlung von Siemens freut, sind andere Hafenstandorte inzwischen zurückhaltender geworden, was das Geschäftsfeld Offshore-Windenergie angeht.

Die Offshore-Windenergie hat sich für einige deutsche Hafenstandorte als wichtiges zusätzliches Standbein etabliert – insgesamt haben sich die großen Hoffnungen, die die Hafenwirtschaft noch vor einigen Jahren in dieses Geschäftsfeld gesetzt hatte, allerdings nicht erfüllt. Fünf Jahre ist es jetzt her, seit der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) seinen Offshore-Hafenatlas veröffentlicht und damit die Ambitionen der Branche manifestiert hat, doch unter dem Strich ist die Zwischenbilanz durchwachsen. „Nach der damaligen Aufbruchstimmung ist vielerorts Ernüchterung eingetreten“, sagt ZDS-Hauptgeschäftsführer Daniel Hosseus. „Unsere Häfen sind in vielen unterschiedlichen Bereichen tätig: Sie verladen Offshore-Großkomponenten, bieten logistische Dienstleistungen an und stehen als Service-Häfen zur Verfügung. Die erhofften Mengen haben sich aber nicht bestätigt.“
Schon früh auf das neue Geschäftsfeld gesetzt hat man in Cuxhaven, wo seit 2007 die „Offshore Basis Cuxhaven“ mit den Offshore-Terminals 1 und 2 entstanden ist. Nach der Insolvenz des Fundamente-Herstellers Cuxhaven Steel Construction und dem Rückzug des Baukonzerns Strabag, der am Standort ursprünglich Schwerkraftfundamente hatte fertigen wollen, war die Stimmung an der Elbmündung vorübergehend getrübt. Das änderte sich voriges Jahr im August: Da verkündete Offshore-Windkraftanlagen-Weltmarktführer Siemens, eine Fabrik zur Turbinenproduktion auf dem Gelände bauen und bis zu 1.000 Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Der erste Spatenstich für das Werk soll im Juni erfolgen, der Produktionsstart ist für Mitte 2017 geplant.
Auch Bremerhaven hatte sich zuvor Hoffnungen auf eine Ansiedlung des Turbinen-Herstellers gemacht. Für die Planer des Offshore-Terminals Bremerhaven (OTB) ist die Entscheidung des Weltmarktführers, seine Zelte 40 Kilometer weiter nördlich aufzuschlagen, ein herber Rückschlag. Dessen ungeachtet unterzeichnete im Februar die für die Realisierung zuständige Hafengesellschaft bremenports mit dem Hafendienstleister BLG Logistics einen Betreibervertrag für den 25 ha großen OTB, der über 30 Jahre läuft. Ab 2019 könne der neue Schwerlasthafen für die Vormontage und den Umschlag von Offshore-Windkraftanlagen zur Verfügung stehen, hieß es bei der Vertragsunterzeichnung. Diese optimistische Zeitplanung ist seit einigen Wochen unwahrscheinlicher denn je: Mitte Mai verhängte das Verwaltungsgericht Bremen im Eilverfahren einen Baustopp, nachdem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zum Jahreswechsel Klage gegen den Bau der Hafenanlage eingereicht hatte. Die Umweltschützer argumentieren, dass sich die ursprünglichen Zielsetzungen des OTB durch die zwischenzeitlich in der Offshore-Branche eingetretenen Entwicklungen ohnehin nicht mehr erfüllen ließen und es somit keine Rechtfertigung gebe, ein Natura-2000-Schutzgebiet mit einer „unflexiblen Betonplatte“ zu beeinträchtigen. Auch das Gericht sieht noch „eine Vielzahl schwieriger Tatsachen- und Rechtsfragen zu klären“, um die es nun im Hauptverfahren gehen soll. Bis dahin dürften keine Bauarbeiten durchgeführt werden, da die Eingriffe möglicherweise irreversibel seien. Darüber hinaus stellten die Richter fest, dass der seit Ende November vorliegende Planfeststellungsbeschluss gar nicht vom Bremer Umweltsenator hätte herbeigeführt werden dürfen: Hierfür sei vielmehr die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zuständig gewesen.
Dass sich die ursprünglichen Erwartungen manches Hafenstandorts nicht im erhofften Ausmaß erfüllt haben, haben auch die Mitglieder der schleswig-holsteinischen Hafenkooperation „Offshore-Häfen Nordsee SH“ erfahren. „Man muss leider attestieren, dass das Thema Offshore-Windenergie in Deutschland deutlich an Fahrt verloren hat“, stellt Frank Schnabel, Sprecher der Hafenkooperation und Geschäftsführer der Schramm Group, fest. „In Schleswig-Holstein ist in diesem Bereich weniger passiert, als wir uns gewünscht hätten.“ Zwar gebe es mit Helgoland ein Vorzeigeprojekt, doch so manch anderer Hafen im Verbund sei noch nicht zum Zug gekommen.

Ein ausführlicher Bericht zu diesem Thema ist in der Juni-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 74 bis 76 zu lesen.

Andreas Wellbrock startet als neuer WAB-Geschäftsführer

Zum 1. April hat Andreas Wellbrock seinen neuen Posten als Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB mit Sitz in Bremerhaven angetreten. Vielen in der Branche ist der 52-Jährige bereits als früherer Vorstand der BLG Logistics Group bekannt, wo er seit Mitte 2013 für den Geschäftsbereich Kontraktlogistik verantwortlich war. Insgesamt war Wellbrock 16 Jahre lang für die BLG tätig und hat dort unter anderem das Geschäftsfeld Logistik für die Offshore-Windenergie aufgebaut. Für seinen neuen Job hat er sich unter anderem vorgenommen, mehr auf die Mitglieder der WAB zugehen zu wollen.

WAB-Geschäftsführer Andreas Wellbrock

WAB-Geschäftsführer Andreas Wellbrock

Vom familiengeführten Ingenieurbüro bis zum Großkonzern: Der Mitgliederkreis des Branchennetzwerks ist sehr heterogen, und so gibt es auch viele unterschiedliche Interessen, die miteinander zu koordinieren sind. „Wir wollen darum im Rahmen einer Befragung klären, wo unsere Mitglieder künftig die Schwerpunkte der WAB-Arbeit sehen“, nennt Wellbrock eines seiner vordringlichen Ziele. „Wir wissen aus der bisherigen Arbeit, dass für große Unternehmen die Lobbyarbeit in Berlin eine große Rolle spielt. Kleinere Unternehmen haben möglicherweise ganz andere Interessen, und das wollen wir herausfiltern, weil wir ja nach innen auch einen Dienstleistungs- und Serviceauftrag haben.“
Dass die WAB vor einigen Wochen den Messeteil der „Windforce“ abgesagt hat, stelle die Veranstaltung als Ganzes keineswegs in Frage, betont der neue Geschäftsführer. Angesichts der Konkurrenz durch die WindEnergy Hamburg, die Husum Wind und die Hannover Messe habe man sich entschieden, die Konferenz-Inhalte wieder in den Mittelpunkt der „Windforce“ zu stellen. „Wir bekommen immer wieder gespiegelt, dass auf diesem Niveau auf keiner anderen Veranstaltung Vorträge gehalten werden, aber auch über aktuelle Themen diskutiert werden kann“, sagt Wellbrock. „Das ist so etwas wie der Familientreff der Offshore-Windbranche, und darauf können wir im Moment nicht verzichten – und das wollen wir auch nicht.“
Die größte Herausforderung für die Zukunft ist aus Sicht des 52-Jährigen das Erneuerbare-Energien-Gesetz und alles, was damit zu tun hat. Die Branche könne ihre Potenziale nur dann voll ausschöpfen, wenn sie sich auf langfristige Planungssicherheit, ein passendes Umfeld für dynamische Entwicklung und eine sinnvolle Gestaltung des Ausschreibungsmodells verlassen können.

Ein ausführliches Interview mit Andreas Wellbrock ist in der April-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf Seite 89 zu lesen.

Rostocker Riesenrohre sind in ganz Europa gefragt

Einer der führenden Hersteller von Monopiles für Offshore-Windparks ist an der Ostsee zuhause: Die EEW Special Pipe Constructions GmbH liefert seit 2008 von Rostock nach ganz Europa.

Monopiles auf dem Weg in den Windpark

Monopiles auf dem Weg in den Offshore-Windpark

Langsam wird es eng auf dem Betriebsgelände der EEW Special Pipe Constructions GmbH (SPC) im Industriegebiet des Rostocker Hafens: Nach dem zweifachen Ausbau der Produktionskapazitäten inklusive Neubau zweier Hallen in den Jahren 2010 und 2013 sowie der Erweiterung der Lagerflächen um 26.000 m² auf nun 70.000 m² im Jahr 2012 stößt das Werk zunehmend an seine Grenzen. Als das Unternehmen 2008 anfing, Monopiles für den Bau von Offshore-Windparks zu produzieren, ging die Branche davon aus, dass die Einzelpfahl-Fundamente in Wassertiefen von höchstens 20 m aufgestellt werden könnten. Heute hat sich EEW SPC als einer von nur drei Herstellern einer neuen Generation von XL-Monopiles auf dem Markt etabliert: Die Stahlrohre mit Durchmessern von bis zu 10 m, Längen bis zu 120 m und Gewichten bis zu 1.500 t sollen künftig in Wassertiefen von bis zu 40 m einsetzbar sein. Neben den Rostockern können derzeit nur die Wettbewerber Steelwind Nordenham und die niederländische Sif-Group Monopiles in vergleichbaren Ausmaßen fertigen.
Von Anfang an hat EEW SPC darauf gesetzt, die Prozesse im Sinne der Effizienz so weit wie möglich zu automatisieren. Eine industrialisierte Serienfertigung, wie sie zum Beispiel aus der Automobilproduktion bekannt ist, wird es allerdings bei der Fertigung von Fundamenten für Offshore-Windparks niemals geben können. „Bedingt durch die unterschiedlichen Wassertiefen und Bodenverhältnisse wird das immer eine reine Auftragsfertigung bleiben“, erläutert Geschäftsführer Heiko Mützelburg. Selbst innerhalb eines Windparks würden für die unterschiedlichen Standorte unterschiedliche Anforderungen gelten: „Wenn ein Kunde zum Beispiel 80 Monopiles bestellt, kann es sein, dass nur fünf oder sechs davon wirklich identisch sind.“ Die anderen unterscheiden sich je nach Standortbedingungen in Länge, Durchmesser und Wanddicke. Abhängig von der Größe der zu produzierenden Gründungsstrukturen schafft das Werk zwei bis acht Monopiles pro Woche, was aktuell zu einer Jahresproduktion von 200 bis 250 Stück führt. Bislang sind die mit Abstand meisten Offshore-Windparks in Europa mit Monopile-Fundamenten umgesetzt worden. Ob das so bleiben wird, muss die Zukunft zeigen. Fest steht, dass die Turbinen perspektivisch immer leistungsstärker und damit auch immer größer und schwerer werden. „Die spannende Frage wird sein, wie sich bis dahin das Monopile entwickelt“, meint Mützelburg.

Ein ausführliches Unternehmensporträt ist in der April-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 86 bis 88 zu lesen.

Unsichere Aussichten für die Ostsee

Der Windpark „EnBW Baltic 2“ ist seit einem halben Jahr am Netz, der Startschuss für „Wikinger“ ist gerade gefallen: Auch in der Ostsee geht es voran beim Ausbau der Offshore-Windenergie. Für die Zukunft des Standorts lassen die derzeitigen gesetzlichen Regelungen allerdings nichts Gutes erahnen.

Die meisten Offshore-Windparks in deutschen Gewässern entstehen nach wie vor in der Nordsee, doch auch in der Ostsee ging es zuletzt voran. Nachdem seit der Einweihung des ersten größeren Ostsee-Projekts „EnBW Baltic 1“ im Mai 2011 gut vier Jahre vergangen waren, nahm Energiekonzern EnBW vorigen September mit „EnBW Baltic 2“ seinen zweiten Meereswindpark offiziell in Betrieb. Alles in allem sind damit in der Ostsee nun 102 Anlagen mit einer Leistung von 338,8 Megawatt (MW) ans Netz angebunden, was etwa zehn Prozent der aktuellen deutschen Offshore-Kapazität entspricht. Die Bauarbeiten für den 350-MW-Windpark „Wikinger“ des spanischen Energiekonzerns Iberdrola haben Mitte März  begonnen, und der deutsche Energiekonzern Eon bereitet aktuell die Investitionsentscheidung für „Arkona Becken Südost“ vor. Sobald auch dieses Projekt umgesetzt ist, wird die in der Ostsee installierte Offshore-Leistung auf knapp 1.100 MW anwachsen sein.
Doch wie geht es danach weiter? Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2014 hat die Bundesregierung die Ausbauziele massiv nach unten geschraubt, und beim Netzausbau steht nach wie vor die Nordsee im Fokus. Laut aktuellem Entwurf des Offshore-Netzentwicklungsplans (O-NEP) 2025, den die Übertragungsnetzbetreiber kürzlich zur Bestätigung an die Bundesnetzagentur übergeben haben, sieht der bereits genehmigte Szenariorahmen für die Ostsee einen Ausbaustand von höchstens 1.900 MW im Jahr 2035 vor: Vor diesem Hintergrund zeichnet sich ab, dass in den kommenden knapp 20 Jahren nur noch zwei bis drei weitere Meereswindparks hinzukommen könnten. Für Andree Iffländer ist das nicht nachvollziehbar. „Es ist uns endlich gelungen, hier nach einer mehrjährigen Startphase eine gewisse Kontinuität zu entwickeln“, sagt der Vorsitzende des in Rostock ansässigen WindEnergy Networks. „Und gerade jetzt, wo wir Know-how aufgebaut haben und durch einen stetigen Ausbau die Kosten senken könnten, werden wir ausgebremst.“ Das EEG und der O-NEP berücksichtigten die Potenziale der Ostsee in keinster Weise, kritisiert er – und das, obwohl der Netzanschluss dort aufgrund der relativen Küstennähe schneller und günstiger umzusetzen sei als in der Nordsee.

Ein ausführlicher Bericht zum Ausbau der Offshore-Windenergier in der Ostsee ist in der April-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 90 und 91 zu lesen.

Fraunhofer IWES nimmt neuen Gondelprüfstand in Betrieb

Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) hat in Bremerhaven nach 18-monatiger Bauzeit einen Prüfstand für Windenergieanlagen in Betrieb genommen. Das „Dynamic Nacelle Testing Laboratory“ (DyNaLab) ist nach Institutsangaben in seiner Leistungsfähigkeit weltweit einmalig und soll Turbinenherstellern zu einer schnelleren und sichereren Markteinführung ihrer Produkte verhelfen.

Feierliche Inbetriebnahme: der neue Gondelprüfstand des Fraunhofer IWES

Feierliche Inbetriebnahme: der neue Gondelprüfstand des Fraunhofer IWES

Rund 35 Millionen Euro hat der Bau des neuen Prüfstands gekostet. Ausgerichtet ist er auf komplette Gondeln im Leistungsbereich von zwei bis acht Megawatt (MW), wodurch er insbesondere auch für Anlagenhersteller aus dem Offshore-Bereich interessant sein dürfte. Im DyNaLab lassen sich Feldversuche unter realitätsnahen Bedingungen nachbilden, was unter anderem zu einer Verkürzung der Testphase von Prototypen führen soll. Anhand unterschiedlicher Belastungsszenarien sollen sich zudem die Betriebsführung und Regelung der Anlagen optimieren lassen. Insgesamt erhofft sich das IWES mit dem Prüfstand einen wichtigen Beitrag sowohl zur Erhöhung der Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit von Windturbinen als auch zur Senkung von Wartungs- und Reparaturkosten zu leisten. „Eingeweiht“ wird die Anlage derzeit mit einem 3-MW-Prüfling von Jacobs Powertec. Für den Dezember und die Folgemonate hat sich kürzlich der erste Offshore-Kunde angemeldet: Der Bremerhavener Turbinenhersteller Adwen will dann den Antriebsstrang seiner neuen 8-MW-Anlage im DyNaLab auf Herz und Nieren testen lassen, bevor 2016 der erste Prototyp aufgestellt werden soll.

Ein ausführlicher Bericht zum IWES-Gondelprüfstand ist in der Dezember-Ausgabe der „Hansa“ (International Maritime Journal) auf den Seiten 70 und 71 zu lesen.